Ein fehlendes Kotelett konnte zu DDR-Zeiten den Fünfjahrplan ins Wanken bringen. Trotz Zwangsverstaatlichung war die Parteiführung auf den Fleiß der privaten Metzger angewiesen: Qualität und Frische waren eben nicht mit Parolen zu erreichen. Und so begann die Erfolgsgeschichte der Hallenser Fleischerei Barner. 1973 übernahm Fleischermeister Lutz Barner mit seiner Frau Monika ein kleines Geschäft in der Innenstadt und stopfte Löcher bei der Grundversorgung an frischer Wurst und Fleisch. Das gelang so gut, dass die Menschen die Metzgerei schnell als Geheimtipp handelten. Deren Produkte trafen den Geschmack der Konsumenten, und die kleine Firma geriet mit einer Monatsproduktion von 20 Tonnen Frischeprodukten an die Kapazitätsgrenze. Da musste auch Junior Torsten mit aushelfen. In seinen Ferien stand er statt auf dem Bolzplatz im Keller der Fleischerei und fädelte für Taschengeld Fleisch auf Schaschlikspieße. Gerade im Sommer ist dieser Fleischspieß bis heute ein begehrtes "Grillobjekt", und die Barners hatten alle Hände voll zu tun, um den Bedarf zu decken. Torsten Barner nahm es gelassen, konnte er sich doch vom verdienten Geld seine Wünsche erfüllen (Kassettenrecorder, Urlaub). Trotzdem ging der Junior eigene Wege, lernte Heizungsbauer und stand beim Kraftsport seinen Mann. Seine Stunde als Fleischer schlug dennoch. Vater Lutz musste sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen und übertrug seinem Sohn die Verantwortung- und die Wurstrezepturen. Torsten Barner hatte nun gleich zwei schwere Aufgaben zu bewältigen. Frühmorgens stand er an der Schlachtbank und half im Geschäft. Abends drückte er die Schulbank, um Fleischer zu lernen und auch noch die Meisterprüfung zu absolvieren. Da kam es schon gelegentlich vor, dass Torsten bei einigen Schulstunden die Augen zufielen ... Am 15. November 1986 übernahm der Jungmeister das Geschäft. Ein Jahr später gab Ehefrau Kathrin ihren Job beim Energiekombinat auf und stieg mit in die Fleischerei ein. Um den weiterwachsenden Bedarf an Frischfleisch und Wurst zu decken, begannen die Barners, neue Produktionsräume zu bauen. Die Kabel lagen unter Putz und die Fliesen klebten an der Wand - da kam 1989 die Wende. Nun sahen sich die Barners mit einem Damoklesschwert konfrontiert. Rückführungsansprüche für das Geschäft in der damaligen Puschkinstraße drohten. Die Gunst der Stunde entschied für die Barners, und der Ausbau ging weiter. Mit ertauschtem Westgeld zum horrenden (und damals dennoch gängigen) Umtauschkurs von 1:10 kauften sie den ersten Verkauftresen im Westen ein. Nochmals tauschten alle nach Feierabend die Hackmesser gegen eine Maurerkelle und bauten die Geschäftsräume weiter aus. Der alte väterliche Fleischerladen in der Kardinal-Albrechtstraße erstrahlte im neuen Glanz, nebenan in der früheren guten Stube lädt heute das Bistro ein. Heute steht der Name Barner an sechs Geschäften, mehr als 50 Mitarbeiter stehen in Lohn und Brot. Mit eigenem Cateringservice sichert die Fleischerei Barner das Gelingen jeder Feier: egal ob kleine Familienfete oder Großevent. Mit Personal und einem Service von A- wie Anliefern der Speisen- bis Z- wie Zeltaufbau, der Kunde kann der Kompetenz von Barners Cateringservice vertrauen.

(aus ZEITREISE – 1200 Jahre Leben in Halle, Hg: Königseder & Stephainski, S. 113, 2006)